Als haarige Zweikämpfe noch straffrei ausgingen

Der Frauenfußball feiert in Deutschland seinen 50. Geburtstag – in der Region lacht längst niemand
mehr über die Kickerinnen

„Damals ging alles noch viel lockerer zu“, erinnert sich Gisela Wenzke, die federführend war bei der Gründung
einer Patrichinger Damenmannschaft 1976. „Wir waren überwiegend Turnerinnen und haben gesagt, probier’n
wir’s einfach mal.“ Ein gewagtes Unternehmen, denn „einige haben nicht mal den Ball richtig getroffen“,
sagt die 77-Jährige.
Den noch habe man sich nicht abbringen lassen, in den Wettspielbetrieb einzusteigen, trotz eines anfänglichen
1:14 gegen ein Preyinger Team. Und trotz offensichtlicher Unkenntnis des Begriffes Tor. „Eine unserer
Spielerinnen, es war unsere Mesnerin Erika Koller, hat ein Eigentor geschossen und danach gejubelt“,
lacht Gisela Wenzke. Immerhin schafften es damals die „gelernten“ Turnerinnen bis hoch in die Bezirksliga,
auch dank guter Ratschläge der männlichen Vereinskameraden. Was zu jener Zeit sicher nicht selbstverständlich war.

Beim niederbayerischen Frauenfußball-Pionier Siegfried Urlberger (†, 2018) hatten die Damen einen Stein im Brett.
Er ließ sie mitunter schon mal ohne Pass auflaufen. „Lasst’s doch um Gott’s Willen die Damen Fußball spielen“,
war laut Gisela Wenzke das vordringlichste Ansinnen des späteren Bezirksvorsitzenden.

Und auch der Schiedsrichter war ihnen eher wohlgesonnen, wie die Patrichingerin von einer heutzutage
eher Sportgerichts-würdigen Schmonzette erzählt:
„Einmal haben sich zwei Gegnerinnen die Haare gerauft. Der Schiedsrichter hat gefragt, was er machen soll.
Nicht hinschauen, haben wir ihm empfohlen, die gehen schon wieder auseinander.“

Das Spiel konnten die DJK-Damen soweit kultivieren, dass sie 1984 als Niederbayern-Meister vor 200 Zuschauern
um den Bayernliga-Aufstieg spielten, diesen aber durch ein 0:3 gegen Forstern verpassten.

1988 musste die Mannschaft mangels Nachwuchs aufgelöst werden, 2007 wurde eine Mädchenmannschaft
aufgebaut.
Heute spielen Patrichinger Fußballerinnen in einer Bezirksliga-Spielgemeinschaft mit dem 1.FC Passau II.
Mit zwei Großnichten von Gisela Wenzke.

 

(Quelle Passauer Neue Presse vom 31.10.2020)